Froschlurch des Jahres 2008: Der Laubfrosch PDF Drucken E-Mail
Dienstag, 15. September 2009 um 15:28 Uhr

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Nach dem Froschlurch des Jahres 2007, der Knoblauchkröte, folgt nun ein weiterer Froschlurch.
Folgende Begleitmaterialien sind erschienen: Poster (7 MB), Leitfaden (2 MB), Flyer (3 MB), Für Journalisten halten wir Bildmaterial zum kostenfreien Abdruck bereit (Kontakt: DGHT-Geschäftsstelle, siehe Impressum).

Der Laubfrosch
Der Laubfrosch ist die bekannteste Froschart in Mitteleuropa. Diese Bekanntheit, die durch zahlreiche volkstümliche Namen, wie zum Beispiel Wetterfrosch und Wetterprophet belegt ist, fußt vor allem auf seinem im Vergleich zu anderen Amphibienarten sympathischen und niedlichen Aussehen (rundlicher Kopf und große Augen, er entspricht so dem Kindchenschema). Sein wissenschaftlicher Name lautet Hyla arborea und leitet sich von "Hyla" (griechisch) = "Wald" und "arborea" (lateinisch) = "auf Bäumen lebend" ab. Laubfrösche sind die einzigen Baum bewohnenden Amphibien Europas!

Die Laubfrösche Europas und ihre Verbreitung
In Europa kommen mindestens vier Laubfroscharten vor: der Europäische Laubfrosch, Hyla arborea, der Mittelmeer-Laubfrosch, Hyla meridionalis, der Tyrrhenische Laubfrosch, Hyla sarda und der Kleinasiatische Laubfrosch, Hyla savignyi. Ob es sich bei dem als fünfte Art beschriebenen Italienischen Laubfrosch, Hyla intermedia, um eine echte Art handelt, wird kritisch gesehen. Die Laubfroscharten
kommen von Meeresspiegelhöhe bis auf 2600 m NN vor. In der Regel sind sie Bewohner des Tief- und Hügellandes. Im Mittelpunkt unserer Betrachtungen steht jedoch der Europäische Laubfrosch, der von Südschweden und Dänemark im Norden über weite Teile West-, Südwest- und Mitteleuropas bis in den Südosten (Balkan, Griechenland einschließlich Kreta) und Osten Europas (westliches Russland, Ukraine) sowie im westlichen und nördlichen Kleinasien ein ausgedehntes Areal besiedelt.

Ein „Grünrock“ stellt sich vor!
Der Laubfrosch ist ein kleiner Baumfrosch, der im geschlechtsreifen Alter eine Körperlänge von 35-50 mm, nur selten eine maximale Größe bis zu 60 mm erreicht und 4-6,5 g schwer wird. Die Oberseite der mitteleuropäischen Tiere ist meist einheitlich grasgrün gefärbt. Bisweilen treten auch braune, graue, gelbliche oder gefleckte Exemplare auf, bis hin zu blau gefärbten Tieren. Die weißlichgraue Bauchseite ist auf der Hautoberfläche granuliert. Zwei dunkle Seitenstreifen ziehen, beginnend an den Nasenlöchern, über Auge und äußere Ohröffnung auf beiden Körperseiten abwärts bis zu den Hinterbeinen und grenzen somit deutlich die Körperoberseite von der Bauchseite ab. Diese Trennlinie wird im Bereich des Übergangs zwischen Bauch und Hinterbeinen durch eine so genannte Hüftschlinge markant „verziert“. Die Männchen besitzen eine kehlständige Schallblase (Kehlsack), die sie bei ihren Rufen während der Paarungszeit kugelig aufblasen können. In Ruhestellung ist die Schallblase wie ein „schlaffer Sack“ an der Kopfunterseite erkennbar. Beide Geschlechter sind dadurch während der Paarungszeit gut zu unterscheiden.

Das Laubfroschjahr
Als Wärme liebende Art tritt der Laubfrosch meistens erst im April/Anfang Mai in Erscheinung. Dann ist er an seinen sommerwarmen Laichgewässern anzutreffen (überwiegend im Mai und Juni), wo die Männchen in der Abenddämmerung ihre weit hörbaren Rufkonzerte erschallen lassen. Das charakteristische Rufkonzert beginnt mit Einbruch der Dämmerung zunächst mit einzelnen Balzrufen, deren typisches schnelles „äpp-äpp-äpp“ bzw. „gäck-gäck-gäck“ zunehmend Chorstärke erreicht. Große Rufchöre sind während windstiller und lauer Mainächte oft über einen Kilometer weit zu hören. Nach dem Paarungs- und Laichgeschäft, das je nach Witterung oft nur wenige Tage andauert, verlassen die Alttiere die Gewässer und verbringen die Sommermonate in Hecken, Gebüschen bis hin zur Kronenregion von Bäumen. Nach der Eientwicklung, dem Larvenstadium und der anschließenden Metamorphose (Umwandlung) der Kaulquappe findet der Landgang statt, und die Jungfrösche verlassen das Geburtsgewässer. Wir finden sie im Juli und August in der Ufervegetation oder im näheren Umfeld der Gewässer, meist in blütenreichen Hochstaudenfluren oder Brombeergebüschen. Zum Spätherbst suchen sowohl die Jungfrösche als auch die Alttiere ihre frostfreien Winterquartiere auf. Zwischen den Teillebensräumen, dem Winterquartier und dem Laichgewässer erfolgen zielgerichtete Wanderungen an Land, wobei Strecken von mehreren Kilometern zurückgelegt werden können. Laubfrösche erreichen ihre Geschlechtsreife normalerweise nach zwei Jahren und werden unter natürlichen Freilandbedingungen meistens nicht älter als fünf Jahre.

Haftscheiben kleben gut – halten fest
Charakteristisch für den Laubfrosch sind Haftscheiben an den äußerst beweglichen Finger- und Zehenspitzen. Sie sind für ein Leben im Schilfröhricht, in Sträuchern und Bäumen ideal geeignet und ermöglichen den Tieren ein geschicktes Umherklettern in der krautigen Vegetation, in Büschen und auf Bäumen.

Fressen und gefressen werden – „Fliegenfänger“ und Gejagter
Der Laubfrosch ist ein eifriger und geschickter Insektenjäger. Seine Hauptbeute besteht überwiegend aus Zweiflüglern wie Fliegen und Mücken, zusätzlich kleinen Käfern und Wanzen. Andererseits werden die Laubfroschkaulquappen von Raub-, aber auch Friedfischen wie Rotauge und ausgesetzten Goldfischen gefressen. An Land dienen Laubfrösche zahlreichen Vogelarten, der Wasserspitzmaus und dem Iltis sowie der Ringelnatter als Nahrung.

Gefährdung durch den Menschen
Die Gefährdungsursachen für den Laubfrosch reichen von der direkten Zerstörung der arteigenen Land- und Wasserlebensräume über indirekte Beeinträchtigungen der Laichgewässer, z. B. durch fischereiliche Nutzung, bis hin zu den großflächigen Landschaftsveränderungen. Mit der weiträumigen Monotonisierung der Agrarlandschaft, oft eingeleitet durch Flurbereinigung und Grünlandumbruch, Grünlandintensivierung sowie durch die Einebnung der Flächen ging auch der Verlust der Weidegewässer einher. In der Agrarlandschaft wurden selbst die Fluss- und Bachauen eingeengt und nachhaltig verändert. Durch Begradigung und Verbau von Flüssen und Bächen und dem damit verbundenen Wegfall der natürlichen Dynamik in den Auelandschaften entstehen im Umfeld der Fließgewässer auch keine neuen Kleingewässer mehr. Hinzu kommt die Eutrophierung der noch vorhandenen Gewässer über Nährstoffeinträge aus den umliegenden landwirtschaftlichen Nutzflächen. Die dadurch bedingte schnell einsetzende Vegetationswandlung führt zum Verlust der Habitatqualität. In seinen Landlebensräumen kam es durch Hecken und Strauchrodungen zum Verlust von Nahrungs-, Sommer- und Winterquartieren sowie Verbindungskorridoren.

Wie können wir dem „Froschlurch des Jahres 2008“ helfen?
Grundsätzlich sind die aufgeführten Gefährdungsursachen vielen Naturschützern
bereits bekannt, und so wurden in einigen Bundesländern bzw. Teilregionen, z. B. in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz oder Schleswig-Holstein, seit einiger Zeit Artenschutz- oder Artenhilfsprogramme installiert; dies in der Regel in Kooperation zwischen dem amtlichen und ehrenamtlichen Naturschutz der Länder und Kommunen. Alle Schutzmaßnahmen müssen sich auf den gesamten Jahreslebensraum
der Populationen beziehen. Der Grundschutz fängt mit der konsequenten Erhaltung
und Stärkung aller noch bestehenden Populationen an, daran schließt sich die Erhaltung und Entwicklung der übrigen potentiellen Laichgebiete als mögliche „Trittsteinlebensräume“ an. Eine gezielte Pflege der Laichgewässer sollte innerhalb der Populationsstandorte erfolgen und zusätzlich eine extensive Nutzung der benachbarten Flächen angestrebt werden. Nach Möglichkeit sollte eine Vernetzung der Lebensräume mit bandförmigen Biotopen (Biotopverbund) wie Landröhrichtgürtel, Hecken mit davorliegenden breiten Säumen, Waldränder usw. erfolgen. Diese Strukturelemente sollten in extensiv genutzten, kleinräumig strukturierten Grünlandflächen eingebettet liegen. Im Bereich des Tieflandes können Maßnahmen wie Grünlandextensivierung, Rückumwandlung von Acker- in Grünlandflächen, durch die Neuanlage bzw. Wiederherstellung von Weidegewässern und durch Anlage von weiteren flachen, gut besonnten Kleingewässern unterschiedlicher Größe, aber geringem Wasserstand (etwa 0,5-1,0 m) helfen. Auch in noch vorhandenen bzw. künftig einzurichtenden Überschwemmungsflächen können Tümpel und kleinere Weiher eingeplant werden. Bei Gewässermaßnahmen ist immer die räumliche Nähe zum Sommerlebensraum zu berücksichtigen. Landschaften mit einem dichten Straßen- und Wegenetz sollten dabei nicht im Vordergrund stehen.

Als aktiver Helfer können Sie sich durch ihre Mitgliedschaft in Naturschutzverbänden (u.a. NABU, BUND, DGHT, Anschriften siehe Impressum bzw. Internet) engagieren. Hier können Sie z. B. bei den Kreis- und Ortsgruppen, die Ihrem Wohnort zugeordnet sind, nachfragen, ob nicht entsprechende Schutzbemühungen schon stattfinden, bei denen Sie tatkräftig mitmachen könnten, sei es als Helfer zur praktischen Umsetzung von Maßnahmen oder durch finanzielle Unterstützung dieser Gruppen. z. B. im NABU-Projekt „Ein König sucht sein Reich“.

Als Eigentümer oder Pächter geeigneter Flächen und Kleingewässser in der freien Landschaft können Sie die o. g. Schutzmaßnahmen auf ihren Flächen einleiten oder sich mit Naturschutzgruppen in Verbindung setzen und diese Maßnahmen (z. B. Kleingewässeranlagen) auf Ihrem Grund und Boden durchführen lassen. Der Heckenerhalt oder die Heckenneubegründung sind ebenfalls wichtige Beiträge auf privaten oder öffentlichen Grundstücken. Auch das Zurückschneiden von Schatten werfendem Gehölzaufwuchs auf ausgewählten Flächen, speziell an den Ruf- und Laichgewässern, ist wichtig.

Beobachtungstipps – „mithören lohnt sich“
Froschchöre sind wundervolle Frühjahrskonzerte, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Viele Naturschutzgruppen und biologische Stationen bieten im April/Mai Wanderungen zu den Laubfroschgewässern an, und dies ist eine tolle Möglichkeit, die Art besser kennen zu lernen. Dabei erfährt man natürlich auch etwas zu den lokalen Laubfroschschutzbemühungen und hat die Chance, sich aktiv in diese Gruppenarbeit einzubringen.

Lesetipps und weiterführende Internet-Homepages
GEIGER, A. (Hrsg., 1995): Der Laubfrosch (Hyla arborea L.) – Ökologie und Artenschutz. – Mertensiella 6, Bonn, 196 S.
GLANDT D. (2004): Der Laubfrosch – ein König sucht sein Reich. – Laurenti-Verlag, Bielefeld, 128 S.
GLANDT, D. & KRONSHAGE, A. (Hrsg., 2004): Der Europäische Laubfrosch (Hyla arborea) – Biologie – Schutzmaßnahmen – Effizienzkontrollen. – Supplement 5 der Zeitschrift für Feldherpetologie, Laurenti-Verlag, Bielefeld, 192 S.
GROSSE, W.-R. (1994): Der Laubfrosch Hyla arborea. – Neue Brehm Bücherei, Bd. 615, Westarp Wissenschaften, Magdeburg, 211 S.

www.amphibienschutz.de
www.Ein-Koenig-sucht-sein-Reich.de
www.laubfrosch-hannover.de
www.lanuv.nrw.de
www.karch.ch
www.herpetofauna.at

Das Team

Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde e.V. (DGHT)
1. Vorsitzender: INGO PAULER, Wachenheim
2. Vorsitzender: Dr. AXEL KWET, Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart
Pressesprecherin: SILVIA MACINA, Hamburg
Kontaktadresse: DGHT-Geschäftsstelle, ANDREAS MENDT, Postfach 1421, Wormersdorfer Str. 46-48, D-53351 Rheinbach; Tel.: 02225 / 703333; Fax: 02225 / 703338; E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. , Web: www.dght.de
Weitere Exemplare des Faltblattes sind kostenlos in der Geschäftsstelle erhältlich.
DGHT-Arbeitsgruppe Feldherpetologie: RICHARD PODLOUCKY, Isernhagen, Dr. HANS-KONRAD NETTMANN, Bremen, ARNO GEIGER, Recklinghausen
Text: ARNO GEIGER unter Mitarbeit von RICHARD PODLOUCKY und AXEL KWET

Sponsoren der Aktion "Froschlurch des Jahres 2008"
Hauptsponsor: E.N.T. Terrarientechnik
Sponsoren: Kölner Zoo, Buchhandlung Chimaira, AG Anuren