Froschlurch des Jahres 2012: Die Erdkröte PDF Drucken E-Mail
Freitag, 27. November 2009 um 16:02 Uhr

Bufo bufo Paar mit LaichLogo Vorbemerkung
Die Erdkröte ist die Symbol­art des Amphibienschutzes an Straßen. Seit Jahrzehnten werden ihre Wanderungen zum und vom Laichgewässer an vielen tausend Stellen in Deutschland, der Schweiz und Österreich mithilfe saisonaler Schutzzäune (Krötenzäune), zeitlich befristeter Straßensperrungen oder fest installierter Amphibienschutzanlagen mit Durchlässen gesichert. Damit werden jährlich abertausende Erdkröten und andere Amphibien vor dem sicheren Verkehrstod bewahrt.

Folgende Begleitmaterialien sind erschienen: Poster (9 MB), Leitfaden, Flyer, Für Journalisten halten wir Bildmaterial zum kostenfreien Abdruck bereit (Kontakt: DGHT-Geschäftsstelle, siehe Impressum).

VerbreitungDie Erdkröte – Steckbrief
Der wissenschaftliche Name der Erdkröte lautet Bufo bufo, was übersetzt einfach nur „Kröte“ heißt. Die Art ist über fast ganz Europa verbreitet. Auch in Deutschland kommt sie nahezu flächendeckend vor und ist neben Grasfrosch und Teichmolch die häufigste Amphibienart.
Männchen und Weibchen der Erdkröte unterscheiden sich deutlich in Bezug auf Körpergröße und -gewicht: In Mitteleuropa erreichen ausgewachsene Weibchen bis 12 cm (maximal 16,5 cm) und Männchen bis 9 cm Länge. Damit ist sie die größte einheimische Kröte. Auf ihrem breiten, kantigen Kopf beginnen direkt hinter den Augen paarig angeordnete, wulstige Ohrdrüsen. Auf der Oberseite des gedrungenen Körpers ist die raue Haut mit vielen runden Warzen besetzt.
Die unauffällige Körperfärbung der Erdkröte variiert zwischen Braun oder Grau und geht selten auch ins Olive oder Rötliche. Im Kontrast dazu stehen die auffallend schönen „güldenen“ Augen dieser Lurche. Während der Paarungszeit entwickeln sich beim Männchen an den Innenseiten des 2. und 3. Fingers schwarz gefärbte, verhornte Brunstschwielen. Mithilfe dieser Schwielen hält sich das Männchen auf dem Rücken des Weibchens fest. Das „Huckepack-Tragen“ beginnt oft schon auf dem langen gemeinsamen Weg zum Laichgewässer und hält während der gesamten Laichphase an; erst danach trennen sich die Paare. Erdkröten können sehr alt werden: In Terrarienhaltung sind 36 Jahre belegt, während im Freiland ein maximales Lebensalter von 10–15 Jahren wahrscheinlich ist.

Das Krötenleben im JahresverlaufBufo bufo Biotop
Schon früh im Jahr werden Erdkröten aktiv. Gemeinsam ist diesen Amphibien als sogenannten Explosivlaichern, dass sie nach der Frühjahrswanderung nahezu alle zur selben Zeit am selben Ort erscheinen, gemeinsam mit dem Fortpflanzungsgeschäft beginnen und sämtliche Laichschnüre innerhalb nur weniger Tage absetzen. Die Hauptwanderung zum Laichgewässer fällt in der Regel mit einsetzendem Regen und steigenden Temperaturen auf 5–10 °C zusammen. Sie beginnt im atlantisch geprägten Tiefland oft schon Ende Februar/Anfang März, wobei einzelne Tiere, je nach Witterungsverlauf, gelegentlich auch im Januar angetroffen werden können. Bei Populationen, die in kontinental geprägten Klimazonen bzw. im Mittelgebirgs- oder alpinen Raum leben, setzen die Wanderungen generell erst später ein. Die von Erdkröten zurückgelegten Distanzen zwischen dem Laichgewässer und dem Winter- bzw. Sommerlebensraum liegen meist in der Größenordnung von einem Kilometer Luftlinie.
Direkt nach dem Ende der Fortpflanzungsphase wandern die adulten Erdkröten in ihre arteigenen Sommerquartiere zurück. Meistens handelt es sich um Mischwälder, die durchweg in einiger Entfernung vom Laichgewässer entfernt liegen. Die dazwischen liegenden Flächen, z. B. Wiesen oder Äcker, werden zügig in Richtung der Waldsilhouette durchlaufen. Die Überwinterungsphase beginnt in der Regel ab Mitte/Ende September bis Mitte/Ende Oktober.

Laich und Larven
Bei der Eiablage befestigt das Weibchen die gallertige, meist 2–5 m lange Laichschnur mit rund 2.000–4.000 Eiern an festen Strukturen, z. B. Schilfstängeln, umgeknickten Binsenhalmen und ins Wasser ragenden Ästen. Das Verhalten der geschlüpften Kaulquappen ist altersabhängig, und vor allem in größeren Gewässern kann man gelegentlich große Schwärme von tausenden von Individuen beobachten, die in langen Bänderreihen am Ufer entlang ziehen. In der Regel dauert die Gesamtentwicklung vom Ei bis zur umgewandelten Jungkröte 2–4 Monate, ist aber stark temperaturabhängig. Der Landgang findet etwa zwischen Anfang Juni und Mitte Juli statt. Gelegentlich ist auf gewässernahen Wegen eine Massenauswanderung der jungen Erdkröten zu beobachten, was im Volksmund als „Froschregen“ bezeichnet wird.

Nahrung und Feinde
Die wenig wählerische Erdkröte frisst vor allem Regenwürmer, Tausendfüßer, Laufkäfer, Spinnen, Schnecken, Raupen und nachtaktive Insekten. Sie selbst hat viele Feinde: Neben der Krötengoldfliege, deren Larven den Nasen- und Rachenbereich adulter Erdkröten von innen her ausfressen, sind es vor allem Mäusebussard, Uhu, Waldkauz, Graureiher und Rabenvögel, aber auch der Iltis und die Ringelnatter, die den Amphibien nachstellen.

Bufo bufo StrassentunnelGefährdung durch den Menschen
Die Erdkröte gehört in Deutschland zu den „ungefährdeten Arten“ der Roten Liste, in der Schweiz wird sie als „vulnerable“ (verletzlich) und in Österreich in der Kategorie „Gefährdung droht“ eingestuft. Der bekannteste Gefährdungsfaktor für die Erdkröte ist der Straßentod während der Laichwanderung. Durch den hohen Zerschneidungsgrad unserer Landschaft werden jedes Jahr an einer Vielzahl von Straßen tausende Tiere bei den Wanderungen getötet. Bedeutsam sind aber auch Verluste durch Veränderungen innerhalb der Sommer- und Nahrungshabitate, insbesondere in ausgeräumten Agrarlandschaften. Durch die Forstwirtschaft entstehen oft monotone, struktur- und totholzarme Nadelbaumwälder, die wenig geeignete Lebensräume für Erdkröten sind.

Wie können wir dem „Froschlurch des Jahres 2012“ helfen?Verkehrsschild Kröten
Amphibienschutzmaßnahmen an Straßen und Maßnahmen gegen die Zerschneidung von Teillebensräumen dienen der Sicherung der saisonalen Erdkrötenwanderung und dem Erhalt des Jahreslebensraums. Dies erfolgt in der Regel durch fest errichtete und regelmäßig gewartete Amphibienschutzanlagen mit Durchlässen, durch zeitlich befristete Straßensperrungen nach § 45 der Straßenverkehrsordnung, durch abgeflachte Bordsteine und temporäre Schutzzäune oder auch durch die Anlage von Ersatz- und Zusatzlaichgewässern.
Als aktiver Helfer beim Krötenschutz am Straßenrand können Sie sich durch Ihre Mitgliedschaft in Naturschutzverbänden (u. a. NABU, BUND, DGHT) engagieren und tatkräftig beim Aufbau der Schutzzäune, bei der regelmäßigen Kontrolle der Fanggefäße oder beim Hinübertragen der Amphibien auf die Laichgewässerseite helfen.
Der Bau von festen Amphibienschutzanlagen fällt in Deutschland in die Zuständigkeit der Straßenbauverwaltungen des Bundes, der Länder und Kommunen. Sie befinden sich meistens an Landes- und Bundesstraßen und werden auf der Grundlage eines vom Bundesverkehrsministerium herausgegebenen technischen Merkblattes geplant und ausgeführt (Merkblatt zum Amphibienschutz an Straßen = MAmS 2000).
Im eigenen Garten ermöglichen Sie durch Anlage eines Naturgartens mit vielen Stauden, Büschen und Laubbäumen ein reichhaltiges Würmer-, Schnecken und Insektenleben, welches als Nahrungsquelle auch den Kröten zugute kommt. Der Garten sollte Bezug zur offenen Landschaft aufweisen, um von Amphibien besiedelt werden zu können, und es sollten keine stark befahrenen Straßen oder dichte Wohnbebauung dazwischen liegen.

Beobachtungstipp: Leise Töne im Frühjahr – Mithören lohnt sich
Eine gute Beobachtungsmöglichkeit bietet das zeitige Frühjahr. Man kann sich – auch tagsüber – vorsichtig dem Laichgewässer nähern, sofern keine eigentumsrechtlichen Bedenken bestehen (Privatgrundstück, Naturschutzgebiet). Einen als Froschkonzert zu bezeichnenden Chor, wie bei Kreuz- und Wechselkröten, gibt es bei Erdkröten allerdings nicht. Man muss also schon genau hinhören, um die leisen Stimmen der Tiere zu vernehmen – meist kurze, etwa wie „öng-öng“ klingende Befreiungsrufe der Erdkrötenmännchen, die von anderen Männchen umklammert werden.

Bufo bufo EntengrützeLesetipps und Internetseiten
Glandt, D. (2008): Heimische Amphibien. Bestimmen-Beobachten-Schützen. – Aula, Wiebelsheim.
Günther, R. (Hrsg. 1996): Die Amphibien und Reptilien Deutschlands. – Gustav Fischer, Jena, Stuttgart, Lübeck, Ulm, 826 S.
Meyer, A., S. Zumbach, B.R. Schmidt & J-C. Monney (2009): Auf Schlangenspuren und Krötenpfaden – Amphibien und Reptilien der Schweiz. – Haupt-Verlag, Bern.
Nöllert, A. & C. Nöllert (1992): Die Amphibien Europas. – Franckh-Kosmos, Stuttgart, 382 S.
Weddeling, K. & A.Geiger (2011): Die Erdkröte Bufo bufo (Linnaeus, 1758). – S. 583–622 in: Arbeitskreis Amphibien und Reptilien NRW (Hrsg.): Handbuch der Amphibien und Reptilien Nordrhein-Westfalens. – Laurenti, Bielefeld.
www.dght.de
www.amphibienschutz.de
www.karch.de
www.herpetofauna.at

Herausgeber der Infomaterialien zur Erdkröte
Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde e.V. (DGHT)
Verantwortlich: Dr. Axel Kwet, Stuttgart
Kontakt: DGHT-Geschäftsstelle, Postfach 1421, Wormersdorfer Str. 46-48, D-53351 Rheinbach; Tel.: 02225 / 703333; Fax: 02225 / 703338; E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. ; Web: www.dght.de
DGHT-Arbeitsgruppe Feldherpetologie und Artenschutz
Richard Podloucky, Isernhagen, Arno Geiger, Recklinghausen, Dirk Alfermann, Waging am See, Daniela Dick, Leipzig
Text: Arno Geiger unter Mitarbeit von Richard Podloucky und Dr. Axel Kwet, Gestaltung: Andreas Mendt (DGHT)
Bildnachweis: Arno Geiger (2), Axel Kwet (4), Martin Kyek (1), Richard Podloucky (3)

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