Lurch des Jahres 2010: Der Teichmolch PDF Drucken E-Mail
Freitag, 27. November 2009 um 16:02 Uhr

Logo Vorbemerkung
Der Teichmolch ist in Europa die bekannteste und am weitesten verbreitete Molchart. Sein korrekter wissenschaftlicher Name lautet heute Lissotriton vulgaris – besser bekannt ist er aber auch unter der älteren Bezeichnung Triturus vulgaris.
Folgende Begleitmaterialien sind erschienen: Poster (6 MB), Leitfaden, Flyer, Für Journalisten halten wir Bildmaterial zum kostenfreien Abdruck bereit (Kontakt: DGHT-Geschäftsstelle, siehe Impressum). Naturfilmer Erik Egerer präsentiert: "Aus dem Leben des Teichmolches".

Steckbrief
Der Teichmolch ist ein etwa 7–9 cm langer Molch mit schlankem Körperbau. Die Grundfärbung seiner Oberseite variiert zwischen Gelb, Braun, Dunkelbraun und Oliv, beim Männchen befinden sich darauf deutlich abgegrenzte, dunkle Flecken, beim Weibchen oft nur kleine Punkte. Auch die Bauchseite ist variabel gefärbt, meist schmutzigweiß, gelb, orange oder orangerot, mit großen (Männchen) oder kleinen (Weibchen) dunklen Flecken und Sprenkeln. Der Kopf trägt oberseits 2–3 Längsfurchen. Während des Wasseraufenthaltes ist die Haut oberseits glatt, im Sommer an Land samtig strukturiert und wasserabweisend. Die Männchen des Teichmolchs bilden im Frühjahr im Wasser einen hohen, rundlich gekerbten Rückenkamm und einen breiten Schwanzsaum sowie an den Zehen der Hinterextremität ebenfalls Hautsäume aus. Die Weibchen tragen nur flache Hautsäume.

Die Verbreitung
Der Teichmolch hat ein riesiges Verbreitungsgebiet, das sich von Westeuropa (England, Irland, NW-Frankreich) bis zum Kaukasus im Osten erstreckt. Die Nordgrenze der Verbreitung verläuft von West-Sibirien bis Mittel-Skandinavien. Im Süden kommt die Art von Mittel-Italien entlang der Adriaküste bis Griechenland und von der NW-Türkei bis zum Kaukasusgebiet vor.
In diesem ausgedehnten Gebiet bildet der Teichmolch mehrere Unterarten aus. Die durch den großen, gekerbten Rückenkamm der Männchen gut kenntliche Nominatform (L. v. vulgaris) lebt im größten Teil West-, Mittel- und Osteuropas, während der Mittelmeer-Teichmolch (L. v. meridionalis) mit glattrandigem Rückenkamm in der Süd-Schweiz, Italien und im nordwestlichen Balkan verbreitet ist. Im südlichen Balkangebiet und von Griechenland bis West-Kaukasien leben weitere Unterarten.
In ganz Deutschland ist der Teichmolch weit verbreitet und kommt im Norden sogar auf einigen Nord- und Ostseeinseln vor. Im norddeutschen Tiefland und im Süden Deutschlands existieren zwar kleinere Verbreitungslücken, doch speziell in der Mitte Deutschlands ist der Teichmolch fast flächendeckend vertreten. In Deutschland ist der Teichmolch eine Charakterart des Tief- und Hügellandes, die obere Verbreitungsgrenze liegt bei etwa 950 m ü. NN.
In Österreich kommt die Art ebenfalls in allen Bundesländern vor; die Höhenverbreitung reicht aber bis auf 2.000 m ü. NN. Deutliche Verbreitungsschwerpunkte liegen im Flach- und Hügelland des Nordens, Ostens und Südens. Zentral- und West-Österreich, mit Ausnahme des Rheintales und des Bodenseegebietes, sind dagegen nur spärlich besiedelt.
In der Schweiz kommt nördlich der Alpen die Nominatform vor, südlich der Alpen, im Kanton Tessin, der Mittelmeer-Teichmolch. Man findet Teichmolche vor allem in den tiefsten Lagen des Landes, z. B. in den Ebenen und Flusstälern im Mittelland, nicht aber in den zentralen Alpengebieten. Insgesamt gibt es deutlich mehr Vorkommen im Osten als im Westen der Schweiz.

Das Teichmolchjahr
Schon im zeitigen Frühjahr, etwa ab Februar/März, erwachen die Teichmolche aus ihrem Winterschlaf und wandern gezielt an die Laichgewässer. Die Tiere bilden dort ihre Wassertracht aus, und schon 1–2 Wochen später beginnen die Männchen mit ihren interessanten Paarungsspielen: Sie wedeln den Weibchen mit ihrem Schwanz Duftstoffe zu, und es kommt schließlich zur Ablage eines Samenpaketes am Boden. Nach Aufnahme des Samenträgers in die weibliche Kloake erfolgt dort die innere Befruchtung der Eier. Wenige Tage später beginnen die Weibchen mit der Eiablage an Wasserpflanzen. Die Fortpflanzung zieht sich bis etwa Juni hin, dann verlassen die Teichmolche das Wasser und verbringen den Sommer an Land unter Steinen oder in Höhlungen unweit des Gewässers. Sind diese Plätze frostsicher, werden sie auch für die Winterruhe genutzt. Die Larven, die eine Gesamtlänge von 30–40 mm erreichen, schließen ihre Entwicklung ab Mitte Juli, meist im August ab, und die jungen Molche gehen an Land.

Nahrung und Feinde
Die Nahrung ist saisonal und regional bedingt recht unterschiedlich, eine wichtige Rolle spielen z. B. Larven von Zweiflüglern, wie Mücken- oder Eintagsfliegenlarven, Libellen und anderen Insekten, Amphibienlarven und -laich, Schwimmkäfer, Wasserasseln, Wasserflöhe, Wasserschnecken und Ringelwürmer wie Tubifex.
Zu den Feinden des Teichmolches zählen fast alle heimischen Fischarten, die vor allem Laich und Larven nachstellen. Adulte Molche zählen auch zur Beute von See- und Teichfröschen, Ringelnattern sowie vielen Vögeln wie Graureihern, Möwen und Weißstörchen.

Lebensräume
In Mitteleuropa zählen Weiher, Teiche (u. a. auch Feuerlösch- und Gartenteiche) und Altwässer zu den am häufigsten besiedelten Lebensräumen mit ganzjähriger Wasserführung. Bewohnt werden aber auch Kies-, Ton-, Lehm- und Sandgrubengewässer sowie temporäre, also nur zeitweilig Wasser führende Kleinstgewässer wie Tümpel, Fahrspuren, Druckwasserstellen an Hängen und Deichen oder Flutungswiesen. Daneben werden selbst Uferbereiche von Seen besiedelt.
Die Landlebensräume grenzen im Regelfall direkt an die Gewässer oder sind über kurze Wanderstrecken zu erreichen. Im Allgemeinen bilden Saumhabitate, Auen und Bruchholzfluren der Laub- und Mischwälder in mitteleuropäischen Niederungen und Mittelgebirgen die bevorzugten Aufenthaltsorte des Teichmolches. Im Sommer besiedelt die Art aber auch Trockenstandorte, Gebüschstreifen und Ruderalfluren bzw. Ödland. Im Siedlungsgebiet des Menschen lebt sie häufig in naturnah gepflegten Gärten und Parks. Aber Teichmolche finden sich auch in Gewerbegebieten mit Feuerlöschteichen und ungepflegten Freiflächen sowie im Schotterfeld von Bahndämmen. Die Winterquartiere befinden sich im Boden, u. a. im Lückensystem von Geröllhalden, in hohlen Baumstubben oder Spalten. Im Garten verkriechen sie sich auch einfach nur unter Holzstapel, in Komposthaufen oder Laubanwehungen unter Hecken.
In Mitteleuropa tritt der Teichmolch regelmäßig mit allen anderen heimischen Amphibien gemeinsam auf, wobei Vergesellschaftungen mit weit verbreiteten Arten wie Grasfrosch, Teichfrosch oder Erdkröte häufiger sind als mit Laubfrosch, Moorfrosch oder Rotbauchunke. Dort, wo sich die Verbreitungsareale überschneiden, können wir sogar alle vier wasserlebenden Schwanzlurche, also Teich-, Faden-, Berg- und Kammmolch, zusammen in einem Gewässer antreffen.

Gefährdung
Der Teichmolch gilt europa- und deutschlandweit derzeit als „nicht gefährdet“, doch ist seine regionale Bestandsentwicklung teilweise stark rückläufig. In den Roten Listen der gefährdeten Arten einiger Bundesländer in Deutschland findet sich der Teichmolch in der „Vorwarnliste“, in Österreich gilt er als „gering gefährdet“, in der Schweiz als „gefährdet“.
Unter den Gefährdungsursachen sind an erster Stelle der Verlust naturnaher Laichgewässer und die Intensivierung der Landwirtschaft sowie der Besatz von Gewässern mit Fischen zu nennen.

Schutzmaßnahmen
Meist profitiert der Teichmolch schon von allgemeinen Schutzaktionen für andere Amphibienarten, speziell aber durch die Neuanlage oder Sanierung von Kleingewässern.

Schutzmaßnahmen rund ums Gewässer

  • Anlage von Klein(st)gewässern und naturnahen Gartenteichen
  • Entkrautung und Entschlammung verlandeter Gräben und Kleingewässer
  • Vermeidung von Einleitungen schädlicher Abwässer
  • Schutzzonen um die Gewässer
  • Abfischen bzw. Vermeiden von Fischbesatz


Pflege der Landhabitate

  • Erhalt oder Anpflanzung von Hecken und Gehölzen im Gewässerumfeld
  • Lebensraumvernetzung über Gehölzstreifen
  • Erhalt von Rückzugsstrukturen (Totholz, Steinschüttungen u. Ä.)
  • Schutzmaßnahmen an Straßen und befahrenen Wegen
  • Schaffung von naturnahen Garten- bzw. Parkbereichen


Lesetipps
Cabela, A., H. Grillitsch & F. tiedemann (2001): Atlas zur Verbreitung und Ökologie der Amphibien und Reptilien in Österreich. – Umweltbundesamt Wien, 880 S.
Glandt, D. (2008): Heimische Amphibien. Bestimmen – Beobachten – Schützen. – Aula-Verlag, Wiebelsheim.
Günther, R. (1996): Die Amphibien und Reptilien Deutschlands. – Fischer-Verlag, Jena.
Meyer, A., S. Zumbach, B.R. Schmidt & J-C. Monney (2009): Auf Schlangenspuren und Krötenpfaden. – Amphibien und Reptilien der Schweiz. – Haupt-Verlag, Bern.
Nöllert, A. & C. Nöllert (1992): Die Amphibien Europas. – Franckh-Kosmos-Verlag, Stuttgart.
Thiesmeier, B. & K. Grossenbacher (2004): Handbuch der Amphibien und Reptilien Europas. Bd. 4: Schwanzlurche (Urodela) IIB. – AULA-Verlag, Wiesbaden.

Herausgeber der Informationen über den Teichmolch
Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde e.V. (DGHT)
Verantwortlich: Dr. Axel Kwet, Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart
Kontakt: Silvia Macina, DGHT-Geschäftsstelle, Postfach 1421, Wormersdorfer Str. 46-48, D-53351 Rheinbach; Tel.: 02225 / 703333; Fax: 02225 / 703338; E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. ; Web: www.dght.de
DGHT-Arbeitsgruppe Feldherpetologie
Richard Podloucky, Isernhagen, Arno Geiger, Recklinghausen, Dr. Hans-Konrad Nettmann, Bremen,
Text: Dr. Wolf-Rüdiger Grosse unter Mitarbeit von Richard Podloucky und Dr. Axel Kwet
Gestaltung: Andreas Mendt (DGHT)
Bildnachweis: Wolf-Rüdiger Grosse (5), Stefan Meyer (2),
Andreas Nöllert (1), Richard Podloucky (2), Benny Trapp (1)

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